Kiel ist eine so elende Provinz

Ich finde Kiel klasse, und ich bin 1989 freiwillig hierher gezogen, WEIL ich es so klasse finde. Die Gegend, das Wasser… unschlagbar, wirklich.
Aber manchmal steht mir der Sinn nach KONSUM. Ja, da möchte ich mal nicht die herrliche Landschaft genießen, da würde ich gerne mal in die Stadt gehen und meine EC-Karte brennen lassen. Ich habe das schon wirklich oft versucht, leider nur selten von Erfolg gekrönt. Denn so häufig gibt es die Dinge einfach nicht, die ich suche. Dass es in der Landeshauptstadt Schleswig-Holsteins keine aktuellen G-Star- Jeans-Modelle für Frauen gibt, daran habe ich mich fast gewöhnt. Schade bleibt es trotzdem, denn diese beiden Marken mag ich einfach, und sie passen perfekt. So muss ich also, wenn mir der Sinn nach einer neuen Hose steht, nach Hamburg oder Neumünster oder Rendsburg fahren. Ja, richtig gelesen. In Neumünster und Rendsburg gibt es Läden, die sich trauen, aktuelle G-Star-Jeans anzubieten. Und offensichtlich läuft das Geschäft gut. In Kiel jedoch, der Landeshauptstadt mit dem bedeutendsten Kreuzschifffahrtshafen Deutschlands, bekommt man Modelle, die es bereits seit 5 Jahren schon gibt – und das konsequent in allen Läden. Bloß nichts Neues wagen. Mein Luxusproblem mit den Jeans ist stellvertretend für viele andere Dinge, die es hier auch nicht gibt. In Buchhandlungen reagiere ich mit Stellhaaren, wenn ich ein Buch (das in zahlreichen Zeitschriften besprochen wurde und dadurch meinen Kaufwunsch aufflammen ließ), wenn es heißt: „Nein, das Buch habe ich nicht da. Ich kann es Ihnen aber bis morgen bestellen.“ Stellhaarpunkt Nr. 1 ist die Aussage „…habe ICH nicht da.“ Genau, und Du bist allein auf der Welt und alles ist Deins. Der zweite Punkt ist die Bestellung bis morgen. Nein danke. Dann muss ich ja nochmal in die Stadt fahren, und falls ich mit dem Auto unterwegs sein sollte, nochmal Parkgebühren bezahlen. Nö, dann lasse ich es mir lieber von Amazon schicken.

Manchmal, wenn ich vorher schon weiß, dass meine Frustrationstoleranz nicht allzu groß und es mir ersparen will, 5 Läden abzuradeln, rufe ich vorher an. Obwohl ich ja sonst lieber hinfahre, gucke, alles anfasse und dann kaufe. Heute zum Beispiel. Ich habe Lust auf einen Polaroid PoGo:
http://www.polaroid.com/pogo/de/
Den gibt es seit Juli 2008 und soll lt. einer Mitteilung im Netz zunächst bei MediaMarkt und Amazon erhältlich sein. Amazon: Stimmt. MediaMarkt: Hinfahren oder anrufen? Hm, lieber mal anrufen. „….wenn Sie mit der Großgeräteabteilung verbunden werden möchten, drücken sie bitte die …. “ Ich lasse mich mit der Fotoabteilung verbinden und frage nach dem Objekt meiner Begierde. „Ich weiß, was Sie meinen. Aber das Gerät habe ich nicht da.“. Na, immerhin – sie weiß, was ich meine. 100 Punkte für den guten Willen.

Nächste Station: Foto Dose. Da weiß man nicht, was ich meine und hat das Gerät demzufolge auch nicht da.

Ein letzer Versuch bei MediMax. Freundlicher Mensch am Telefon, der mich an einen weiteren freundlichen Mensch verbindet, der leider aus der völlig falschen Abteilung stammt. Aber der Laden ist ja nicht so riesig, da kann man ja mal eben rüberrufen:
„Oddddddoooooo! Ot-to! Oooooootttttoooooo! – äh – hören Sie? Der hört nicht. Ich geh da mal eben hin.“. Jawoll, gerne doch. Der freundliche Mensch kommt wieder mit der Information:
„Nein, einen Polaroid-Drucker haben wir nicht da. Aber einen Agfa-Drucker kann ich Ihnen anbieten. „
Ich: „Äh.. ja. Und inwiefern ist der mit dem genannten Polaroid-Drucker vergleichbar?“
Er: „Ähem, das ist… äh… ein Fotodrucker.“
Ich: „Ist der auch im Taschenformat und druckt der auch ohne Tinte?“
Er (ganz leise seufzend): „Na, das weiß ich jetzt auch nicht. Da stell ich Sie mal rüber. „
Mein neuer Gesprächspartner ist zwar auch nett und bietet mir den Agfa-Drucker an (ob der wohl weg muss?). Auf meine erneute Frage, inwieweit dieser Drucker Ähnlichkeit dem von mir nachgefragten Polaroid-Modell ähneln würde, bekam ich die Info, dass da keine Ähnlichkeit sei. Der Agfa-Drucker sei ein ganz normaler Foto-Drucker mit Tintenpatronen und allem drum und dran und von dem tintenlosen Ausdrucken im Taschenformat meilenweit entfernt. Mein Frage, wie er denn nun auf die Idee gekommen sei, mir diesen Drucker anzubieten, wurde mit : „Ist auch ein Einsteigermodell“ beantwortet. Nochmal ganz zurück zum Anfang: Danach hatte ich nicht gefragt, oder?

Das ist ein bisschen so, als würde ich im Supermarkt nach Brokkoli fragen und ein Pfund Gehacktes bekommen, obwohl ich erwähnt hatte, dass ich Vegetarier bin.

Liebe Kieler Einzelhändler und von mir aus auch Ladenketten: Bitte wundert Euch nicht und vor allen Dingen beklagt Euch nicht über die Leute, die im Internet kaufen anstatt bei Euch. Manchmal bleibt einem halt nichts anderes übrig, wenn man konsumieren will.

3 Kommentare bis jetzt

  1. pjebsen on

    Stellhaare? Das ist ein Luxusproblem. (Falls du weißt, was ich meine. ;-) )

  2. serviervorschlag on

    Schon gut. Ich werde fortan froh und dankbar über meine Stellhaare sein. ;-)

  3. feronia on

    Achja, das mit den Büchern kenne ich ebenfalls…


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