November 2009-Januar 2010, Zahnarztmarathon
Vielleicht habe ich irgendwie schlechte Vibes ausgestrahlt oder ich bin hier sowas wie ein Montagspatient gewesen… ich weiß es nicht.
Ich war das erste Mal im Mai 2009 in der Praxis von Dr. Garlichs in der Eichendorffstraße in Kiel. Die Praxis ist klein, aber nett eingerichtet. Herr Dr. Garlichs war mir relativ sympathisch und die Untersuchung meiner Zähne wirkte gründlich und gewissenhaft. Es wurde auch ein Röntgenbild angefertigt und soweit alles für gut befunden. Nicht für gut befunden wurde die Optik meiner Frontzähne, die durch einen Unfall und eine Wurzelbehandlung unterschiedliche Färbungen aufweisen. Mir wurden verschiedene Varianten einer Restaurierung vorgestellt, alles keine Kassenleistung und recht kostenintensiv. Weil ich in Bezug auf Zahnbehandlungen sehr ängstlich bin und generell dazu neige, genau wissen zu wollen, was ich für mein Geld bekomme, fragte ich ein paarmal nach. Darauf erhielt ich zwar Antworten, aber gleichzeitig hatte ich das Gefühl, dass ich bitte nicht unbedingt noch mehr fragen sollte.
Im November bekam ich Zahnschmerzen…Da ich mich in der Zwischenzeit nicht weiter mit Zahnärzten beschäftigt hatte, ging ich wieder zu Dr. Garlichs. Der bestätigte eine Karies im Backenzahn vor dem Weisheitszahn. Ich sollte in eine Kieferklinik gehen, mir den (übrigens völlig intakten und geradestehenden) Weisheitszahn ziehen lassen, damit er besser bohren könne. Des Weiteren wies er mich darauf hin, dass man an meinen Frontzähne was machen könne, denn “die sehen ja unmöglich aus.” Ich bin in der Hinsicht nicht übermäßig sensibel, weil ich persönlich zwar finde, dass meine Frontzähne tatsächlich schöner sein könnten, aber nicht unmöglich aussehen. Unabhängig davon bin ich aber der Meinung, dass ein Arzt in der Lage sein sollte, so etwas ein wenig charmanter zu verpacken, zumal er nie weiß, welchen wunden Punkt er bei welchem Patienten treffen könnte.
Meine Fragen wurden für meinen Geschmack auch diesmal wieder eine Idee zu gehetzt beantwortet. Ganz sicher bin ich in der Hinsicht empfindlich – gerade beim Zahnarzt ist es mir extrem wichtig, dass jemand Ruhe auf mich ausstrahlt. Das hat hier nicht so gut geklappt.
Nun sollte ich mir also einen gesunden Zahn ziehen lassen, um einen ziemlich kaputten Zahn reparieren zu lassen. Das kam mir merkwürdig vor, weshalb ich den den Rat von zwei weiteren Zahnärzten einholte. Beide waren einhellig der Meinung, dass diese Maßnahme in keiner Weise ratsam oder notwendig sei. Möglich, dass es hier unterschiedliche Ansichten gibt. Meinem Geschmack entspricht es allerdings eher, Zähne zu erhalten statt ziehen zu lassen – deshalb ließ ich den defekten Zahn bei einem anderen Zahnarzt behandeln.
Dieser Zahnarzt untersuchte meine Zähne noch einmal und stellte drei (!!!) weitere nicht allzu kleine Karies-Herde fest. Das machte mich dann doch stutzig: Erst die große Karies-Stelle, die übrigens auch schon auf dem Röntgenbild vom Mai zu sehen war, aber irgendwie ignoriert wurde. Dann die beiden weiteren Stellen, die schon so eine beachtliche Größe aufweisen, dass es eher unwahrscheinlich ist, dass sie sich in dem Zeitraum von meinem ersten Besuch im Mai bis November gebildet haben. Und selbst als ich mit den Zahnschmerzen im November bei Dr. Garlichs war, hatte er sich nochmals alle Zähne angesehen und keine weitere Karies bemerkt. Dafür aber eben die optisch nicht 100%igen Frontzähne.
Mich bestätigte dies in meinem Entschluss, den Zahnarzt gewechselt zu haben.
Wie schon erwähnt: Es mag da unterschiedliche Gesschmäcker und Ansichten geben. Ich persönlich richte mein Hauptaugenmerk zuerst auf die Funktion, dann aufs Aussehen. Mir würde es auch nicht in den Sinn kommen, mein Auto mit Spoilern und breiten Reifen zu tunen, aber die defekte Bremse nicht reparieren zu lassen.
Nachträglich fiel mir übrigens dann auch auf, dass Herr Dr. Garlichs seine Praxis “Praxis für Prophylaxe, innovative Zahnheilkunde und Naturheilverfahren” nennt. Die beiden anderen Zahnärzte, die ich um Rat fragte, nennen sich unter anderem “Praxis für Zahnerhaltung”. Möglicherweise bietet dieser Hinweis einen Aufschluss über die unterschiedlichen Herangehensweisen und ich habe mir einfach unwissentlich genau diese herausgesucht die mir weniger liegt.
Am 4. Februar ist es geschafft. Alle Löcher in den Zähnen sind zu, die Zahnhälse sind repariert, der schwarze tote Zahn ist heller und die dunkle Kante am ehemals abgebrochenen Schneidezahn daneben ebenfalls verschönert. Unglaublich, was Herr Dr. Garlichs alles übersehen hat. Was bin ich froh, dass ich den Arzt gewechselt habe.




